Der Druck und die Leichtigkeit: tatanka

tatanka ist im Deutschen der Büffel. Die Analogie der vielen „a“ im Namen soll durchaus an die behold atacama erinnern, ohne dabei verwechselt zu werden. Denn es gibt viele Gemeinsamkeiten, aber auch ganz wesentliche Unterschiede:

Zuerst das Gemeinsame mit der atacama:

Beide haben die gleiche Gehäusegrundform, die sich als sehr effektiv und praktisch erwiesen hat. Zugegeben: bei der tatanka gibt es dann doch eine Abweichung beim Mittel-Hochton-Kopf zu Gunsten eines ganz besonderen Hochtöners.

Beide zeichnet der markante Trichter der Schallöffnung für den Baß aus. Position ist nicht ganz identisch und die tatanka hat keinen Bandpaß, aber dies gehört schon zu den Unterschieden und wird deshalb später behandelt.

Beide trennen Mittel- und Hochton bei relativ niedrigen Frequenzen, die atacama bei 2.0kHz, die tatanka bei 2.6kHz, wohl aber aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Beide verwenden das bestens bewährte Aluminium Isolator System, vollkommen baugleich.

Beide haben die gleiche integrierte tri-amping Monoblockendstufe, wenngleich hier für die tatanka bei der Endstufe für die Mitteltöner kleinere Eingriffe in Soft- und Hardware vorgenommen wurden.

Beide verfügen über den gleichen Algorithmus um alle Individualitäten der Chassis in Amplitude, Phase und Laufzeit auszugleichen. Selbstverständlich haben beide die Option für Raumkorrektur.

Beide werden nur über zwei oder drei Kabel angeschlossen, Stromversorgung und ein- oder zweimal Audiosignale, je nach Aufbau der Anlage.

Beide verfügen über das gleiche Steckverbinder System mit der aufwendigen Führung über das die elektrischen Signale zur jeweils anderen Sektion wechseln.

Auch haben beide einen dezent integrierten Kamin zur Belüftung der Leistungsendstufe und den natur eloxierten Kühlkörper.

Beide sind in verschiedenen Furnieren erhältlich.

Beide werden ausschließlich in Deutschland gefertigt, die Elektronik am Stammsitz von behold und die Holzgehäuse im Schwarzwald bei der Firma Josef Wochner, die mit Hilfe einer 5-achsen CNC-Fräsmaschine die erforderliche Präzision auch reproduzierbar im Griff hat. Sicher, die Chassis kommen, bis auf den Hochtöner der tatanka, aus Dänemark.

Nun zu den Unterschieden:

Rein äußerlich betrachtet sieht der Baß-Korpus ganz ähnlich aus. Der Schein trügt aber. Bei der tatanka ist er 10cm höher als bei der atacama und beherbergt nicht mehr die Monoblockendstufe. Jeder zur Verfügung stehende Kubikzentimeter widmet sich voll und ganz dem Volumen der Baß-Chassis, denn es sind zwei. Sie treiben gegeneinander. Sie hängen übereinander. Sie kompensieren ihre Vibrationen fast vollständig, durchaus fühlbar. Und sie bilden keinen Bandpaß, denn der würde eine maximale obere Grenzfrequenz von ungefähr 100Hz bedingen. Dies ist aus Gründen, die mit den verwendeten Mitteltönern einhergehen, nicht akzeptierbar. Da werden zwingend 200Hz benötigt. Was dieses Gebilde aber nun ist, ist vollkommen offen, denn niemand hat bisher ein derartiges Konstrukt abgeliefert, zumindest nicht, was in öffentlich zugänglicher Literatur beschrieben wäre. Und es funktioniert mehr als sehr gut. Der Tiefbaß (20Hz - 30Hz, hier sind echte Hz gemeint und nicht „gewünschte“) ist soweit linear nach unten betreibbar, daß sich beim normalen Musikhören (Stereo) sich schon störende Einflüsse von ungewollten Tiefbässen bemerkbar machen würden. Damit dies nicht geschieht ist Entsprechendes in der Elektronik vorgesehen.

Am auffälligsten sind die Unterschiede beim Kopf der beiden Lautsprecher. Während die atacama mit zwei schon fast unspektakelulären Chassis aufwartet, sind es bei der tatanka fünf an der Zahl, vier Mitteltöner um einen Hochtöner gruppiert. Die 12cm Mitteltöner erfreuen sich einer um Faktor vier höheren Beschleunigungsfähigkeit als der 18cm Mittelton der atacama, zum Preis der höheren unteren Grenzfrequenz und der Problematik der Anordnung. Faktor vier, weil die Membran nur noch 4.7g statt 17.5g wiegt und weil der Force Factor 6.1 statt 5.7 beträgt, ein entsprechender Neodymmagnet ist der Grund. Aber gerade eben dieses viel höhere Beschleunigungsverhalten erlaubt eine bisher ungekannte Präzision am oberen Ende des Mitteltonbereich und bewirkt die Leichtigkeit der tatanka trotz der Größe und des verfügbaren Schalldruckes. Eben: Der Druck und die Leichtigkeit …

Wegen der höheren unteren Grenzfrequenz für die Mitteltöner entsteht die Notwendigkeit zur Verabschiedung des Bandpaßkonzeptes beim Baßbereich für die tatanka.

Die Anordnung der vier 12cm Mitteltöner wurde bewußt nicht als reines vertikales Line Array ausgeführt, wohl wissend was eine solche Wahl mit sich bringen würde. Ein reines vertikales Line Array würde eine unerwünschte Bündelung in der Vertikalen hervorrufen. Außerdem macht sich die Gruppierung um den Hochtöner nicht nur optisch ganz gut, sondern auch akustisch.

Damit es bei den hohen Tönen und größeren Schallpegeln nicht zu Verzerrungen kommt ist die Wahl auf einen exzellenten „Air Motion Transformer“ gefallen. Dieser ist in der Lage selbst bei sehr hohen Schallpegeln, passend zu den vier Mitteltönern, einen außerordentlich hohen Oberwellenabstand von ca. 60dB zu gewährleisten. Gleichzeitig bewegt er wegen der relativ großen Membranfläche viel Luft. Dabei ist das Membrangewicht immer noch vergleichsweise klein, woraus sich ein sehr gutes Beschleunigungsverhalten ergibt.

Durch diesen Mehraufwand ist die tatanka schneller und präziser aber eben auch teurer als die atacama und gehört mit Sicherheit zu den schnellsten verfügbaren Lautsprechern.

Ebenfalls unterschiedlich ist der Umstand, daß die Leistungsendstufe im Kopf untergebracht ist. Dies hat zweifelsfrei zur Folge, daß die Verdrahtung für den Mittelton und den Hochton, beide kritischer als der Baß, viel kürzer sind und trägt somit auch zur Geschwindigkeitssteigerung bei.